Heizungstausch und GEG: Fristen, Pflichten und Ausnahmen
Muss meine Heizung raus? Was das Gebäudeenergiegesetz für Bestandshäuser wirklich vorschreibt — und was davon für Sie in Tübingen gerade nicht gilt.
Beitrag lesenDie alte Heizung streikt und plötzlich steht die Frage im Raum. Wir vergleichen Anschaffung, Betriebskosten und Förderung für Bestandshäuser rund um Tübingen — ehrlich und ohne Verkaufsdruck.
Stand: 2026-08-20

Die alte Heizung gibt den Geist auf, und plötzlich steht die Frage im Raum: Wärmepumpe oder noch einmal Gas? Gerade im Bestandsbau — also in Häusern, die nicht frisch gedämmt aus der Baugrube kommen — gibt es darauf keine pauschale Antwort. Sie hängt von Ihrem Haus ab, von Ihren Heizflächen und davon, wie lange Sie noch dort wohnen wollen. Was Sie hier bekommen: einen strukturierten Vergleich, bevor Sie sich entscheiden.
Zwei Entwicklungen machen die Heizungsfrage konkreter als noch vor ein paar Jahren. Erstens steigt der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe schrittweise weiter — das verteuert den Betrieb einer Gasheizung strukturell, Jahr für Jahr. Zweitens hat das Gebäudeenergiegesetz klargestellt, dass neue Heizungen langfristig auf erneuerbare Energien ausgerichtet sein müssen.
Wer eine alte Gasheizung eins zu eins durch eine neue ersetzt, kauft sich damit vielleicht noch einige ruhige Jahre. Sicherheit über die gesamte Lebensdauer des Geräts kauft er sich nicht.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt in der Anschaffung deutlich über einer neuen Gastherme. Realistisch sind im Bestand mittlere fünfstellige Beträge inklusive Einbau, Hydraulik und Inbetriebnahme — eine neue Gasheizung liegt spürbar darunter.
Diese Zahlen sind Orientierung, keine Zusage. Was Ihre Anlage kostet, hängt an Heizlast, Platzverhältnissen und dem, was von der Altanlage weiterverwendet werden kann. Belastbar wird das erst nach einem Termin bei Ihnen vor Ort.
Hier dreht sich das Bild. Die Wärmepumpe zahlt Strom, die Gasheizung zahlt Gas plus CO₂-Abgabe. Entscheidend ist die Jahresarbeitszahl: Wie viele Kilowattstunden Wärme macht die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom?
Der wichtigste Punkt. Ein Haus, das mit 70 °C Vorlauf gefahren werden muss, ist ein schlechter Kandidat. Eines, das mit 45 bis 50 °C auskommt, ein guter. Häufig lässt sich die nötige Vorlauftemperatur mit überschaubarem Aufwand senken.
Tipp: Ein hydraulischer Abgleich und der Tausch einzelner zu kleiner Heizkörper kosten oft nur einen Bruchteil der Anlage — und verbessern die Effizienz spürbar. Das ist meist die günstigste Stellschraube überhaupt.
Die Außeneinheit braucht einen Standort, der zum Grundstück passt und den Nachbarn nicht stört. Gerade in den enger bebauten Lagen in und um Tübingen ist das ein Punkt, den wir früh klären — nicht erst bei der Montage.
Wird das Warmwasser über die Heizung erzeugt, muss der Speicher zur Wärmepumpe passen. Hier lässt sich oft sinnvoll mit Solarthermie kombinieren: Die Sonne übernimmt einen Teil der Warmwasserbereitung, die Wärmepumpe muss seltener auf hohe Temperaturen gehen.
Für den Umstieg auf eine Wärmepumpe gibt es Förderung aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Für den reinen Ersatz durch eine neue Gasheizung gibt es sie nicht. Das verschiebt den Kostenvergleich erheblich.
Wie hoch die Förderung in Ihrem Fall ausfällt, hängt von der Maßnahme, dem Gebäude und Ihrer persönlichen Situation ab — und die Programme ändern sich regelmäßig. Deshalb nennen wir hier bewusst keine Prozentzahlen, die morgen überholt sind.
Es gibt Fälle, in denen wir von der Wärmepumpe abraten. Wenn das Haus energetisch in einem Zustand ist, der hohe Vorlauftemperaturen erzwingt, und eine Sanierung in den nächsten Jahren nicht ansteht, wird die Wärmepumpe teuer im Betrieb. Wenn der Verkauf des Hauses absehbar ist, spielt die Amortisation über zwanzig Jahre keine Rolle mehr.
Wir sagen Ihnen das offen. Eine Anlage, die bei Ihnen nicht wirtschaftlich läuft, nützt niemandem — Ihnen nicht und uns auch nicht.
| Kriterium | Wärmepumpe | Neue Gasheizung |
|---|---|---|
| Anschaffung | Höher | Niedriger |
| Betriebskosten | Abhängig von Strompreis und Jahresarbeitszahl | Abhängig von Gaspreis und CO₂-Abgabe |
| Förderung | Ja, über die BEG | Nein |
| Planungssicherheit GEG | Hoch | Begrenzt |
| Aufwand im Bestand | Höher (Heizflächen, Hydraulik) | Gering |
| Kombination mit Solarthermie | Sinnvoll | Möglich |
Der Gebäudebestand rund um Tübingen, Unterjesingen und Ammerbuch ist gemischt: viel Bausubstanz aus den Sechzigern und Siebzigern, dazwischen sanierte Objekte und Neubauten. Pauschale Aussagen führen hier regelmäßig in die Irre.
Dazu kommt die kommunale Wärmeplanung. Ob in Ihrer Straße mittelfristig ein Wärmenetz kommt, ist eine Information, die Ihre Entscheidung beeinflussen kann. Ein Anruf bei der Stadt lohnt sich, bevor Sie mehrere zehntausend Euro in eine Einzellösung stecken.
Oft ja — aber nicht immer. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, die Ihr Haus braucht. Liegt sie bei 50 °C oder darunter, ist die Wärmepumpe meist wirtschaftlich. Darüber wird es schwieriger und muss gerechnet werden.
Nicht zwingend. Häufig reichen kleinere Eingriffe wie ein hydraulischer Abgleich oder der Tausch einzelner Heizkörper, um die Vorlauftemperatur ausreichend zu senken. Eine Komplettsanierung ist selten die Voraussetzung.
Moderne Geräte sind deutlich leiser geworden. Entscheidend ist der Aufstellort. Wir prüfen den Schallschutz zum Nachbargrundstück, bevor wir einen Standort vorschlagen.
Ja, und das ergibt oft Sinn. Die Solarthermie übernimmt einen Teil der Warmwasserbereitung, wodurch die Wärmepumpe seltener auf hohe Temperaturen gehen muss.
Bestehende Anlagen dürfen weiterlaufen und repariert werden. Erst beim Austausch greifen die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes. Die Details dazu haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.
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